Pädagogisches Konzept

Obwohl der Umgang mit den Kindern in der Rasselbande durch eine familiäre Atmosphäre geprägt ist, stecken ein durchdachtes pädagogisches Konzept und gut strukturierte Abläufe dahinter. Im Vordergrund steht spielerisches, selbsttätiges, lebensnahes, entdeckendes und exemplarisches Erfahrungslernen. Die pädagogische Arbeit in der Kindergruppe Rasselbande basiert auf der Pädagogik von Maria Montessori und Emmi Pikler, dem Konzept des Situationsansatzes sowie dem Konzept des „anderen Umgangs“.

 

Die Pädagogik der Maria Montessori

„Bildung und Heranreifung eines Menschen, der sich selbst bestimmen kann und der gleichzeitig fähig ist, mit anderen zu leben“.
 

Das Konzept des Situationsansatzes

Kinder

Kinder haben Rechte und sind Akteure ihrer Entwicklung. Autonomie, Kompetenz und Solidarität bezeichnen wesentliche Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung (Anspruch auf Selbstbestimmung; Bildung, Wissen und Befähigung; Entwicklung sozialer Aufmerksamkeit; Respekt gegenüber Natur, Lebewesen und Ressourcen). Die pädagogische Arbeit geht aus von den Lebenssituationen der Kinder und ihrer Familien. Der Sinn von Normen und Werten erschließt sich den Kindern im täglichen Zusammenleben. Kinder lernen in realen Lebenssituationen, einem anregungsreichen Umfeld innerhalb und außerhalb der Kindergruppe. Die Arbeit ist altersübergreifend und interkulturell. Kinder gestalten ihre Situation in der Kindergruppe aktiv mit. Kinder lernen voneinander.

Erwachsene

Die Betreuerinnen sind Lehrende und Lernende zugleich. Kinder und Erwachsene sind eingeladen, sich aktiv zu beteiligen. Die Kindergruppe entwickelt enge Beziehungen zum gesellschaftlichen Umfeld. Die pädagogische Arbeit beruht auf offener Planung und wird dokumentiert.
 

Das Kindergruppenkonzept des „Anderen Umgangs“

Voraussetzung

Voraussetzung ist eine gleichberechtigte Stellung des Kindes gegenüber den Erwachsenen. Individuelle Bedürfnisse des Kindes werden anerkannt und respektiert, und es wird so behandelt, wie man es für sich selbst von anderen erwarten würde. Bei Auseinandersetzungen mit Kindern sollen nur jene Mittel verwendet werden, über die auch das Kind verfügt, d.h. soziale, technische und körperliche Überlegenheit werden nicht als Macht- oder Druckmittel eingesetzt. Konflikte werden nicht unterdrückt, sondern das Kind soll diverse Möglichkeiten der Lösung auf Anwendbarkeit erproben können; der Erwachsene ist dabei aufmerksamer Begleiter und ggf. Helfer.

Betreuung

Die Betreuung erfolgt in Form von sogenannten „Familiengruppen“ (altersgemischte Gruppen mit wechselnder Zusammensetzung). Hier erleben sich die Kinder in verschiedenen Entwicklungsphasen und haben die Möglichkeit, Persönlichkeitsstrukturen auszuformen. Es steht ihnen Raum zur Verfügung, sich altersgemäß zu entfalten, einerseits durch eigenes schöpferisches Tun, andererseits durch das nachahmende Lernen innerhalb der altersgemischten Gruppe. Die Mischung aus beständigen Tagesabläufen und kreativen und spontanen Momenten unterstützt sie dabei.

Selbstbestimmtheit und freie Entwicklung

Wichtig ist allerdings – insbesondere für die unter 3-jährigen – die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können. In der Eingewöhnungsphase wird den neuen Kindern ein fließender Übergang vom Elternhaus zur Kindergruppe ermöglicht. Eltern und Betreuerinnen bringen den Kindern Respekt und Achtung entgegen, ohne sie autoritär zu lenken; eine weitgehend freie Entwicklung des einzelnen im Rahmen der sozialen Sensibilität und unter offener Konfliktaustragung soll durch die verschiedenen Grundsätze verwirklicht werden. Der Selbstbestimmtheit sind natürlich dort Grenzen gesetzt, wo sie das Dasein des anderen berührt. Deshalb ist das Erstellen nachvollziehbarer Regeln unabdingbar.

Herausforderung an das Betreuungsteam

Die wesentliche Herausforderung für unser Betreuungsteam ist die Bewältigung des Spannungsfeldes zwischen Vertrauen, Toleranz und Freiheit auf der einen Seite und der Verwirklichung eines sozialen Miteinanders, der Begrenzung der Gefahren, der Fürsorgepflicht und den damit verbundenen Reglementierungen auf der anderen Seite. Dies erfordert ein offenes, selbstkritisches und gesprächsbereites Team sowie Eltern, die aktiv an der Erziehung ihrer Kinder teilnehmen wollen und Vertrauen in die Arbeit der Betreuerinnen setzen.